Röntgen beim Zahnarzt: Wie viel Strahlung ist das wirklich?

Kaum ein Arztbesuch löst so regelmässig die Frage «Muss das sein?» aus wie das Röntgen beim Zahnarzt. Die ehrliche Antwort: Die Dosen in der Zahnmedizin gehören zu den kleinsten in der gesamten Medizin — und trotzdem ist die Frage berechtigt, denn jede Aufnahme braucht einen Grund.
Die Dosen im Überblick
| Aufnahme | Effektive Dosis (ungefähr) | Entspricht Hintergrundstrahlung von |
|---|---|---|
| Einzelbild (ein Zahn) | 0,005 mSv | wenigen Stunden bis ½ Tag |
| Panoramaaufnahme (OPT) | 0,01–0,03 mSv | 1–2 Tagen |
| 3D-Aufnahme (DVT), kleines Volumen | 0,05–0,1 mSv | 3–6 Tagen |
| 3D-Aufnahme (DVT), grosses Volumen | 0,1–0,3 mSv | 1–3 Wochen |
| Zum Vergleich: Computertomographie (CT) des Kopfes | 1–2 mSv | mehreren Monaten |
Zur Einordnung: In der Schweiz nimmt jede Person im Schnitt rund 5,8 mSv pro Jahr aus natürlichen und medizinischen Quellen auf — etwa 0,016 mSv pro Tag. Ein Zahn-Einzelbild entspricht damit ungefähr der Strahlung, die du ohnehin an einem halben Tag abbekommst, ein Flug nach New York bringt mehr Dosis als eine Panoramaaufnahme.
DVT: das 3D-Röntgen und seine Spannbreite
Die digitale Volumentomographie (DVT) liefert dreidimensionale Bilder — wichtig etwa vor Implantaten oder bei verlagerten Weisheitszähnen. Die Dosis hängt stark vom abgebildeten Volumen (Field of View) und den Geräteeinstellungen ab; deshalb reicht die Spanne von wenig mehr als einer Panoramaaufnahme bis zum Zehnfachen davon. Moderne Leitlinien verlangen, das Volumen so klein wie möglich zu wählen. Wissenschaftliche Meta-Analysen (u. a. Ludlow et al. 2015) bestätigen diese Werte.
Die richtige Frage: Ist die Aufnahme gerechtfertigt?
Im Strahlenschutz gilt das Prinzip der Rechtfertigung: Eine Aufnahme ist dann richtig, wenn ihr Nutzen — eine bessere Diagnose, eine sicherere Behandlung — das minimale Risiko klar überwiegt. Du darfst deine Zahnärztin oder deinen Zahnarzt jederzeit fragen, wozu ein Bild gebraucht wird und ob eine ältere Aufnahme noch genügt. Seriöse Praxen beantworten das gern — und sind übrigens gesetzlich verpflichtet, sich im Strahlenschutz regelmässig fortzubilden.
Was es mit der Bleischürze auf sich hat, die vielerorts verschwindet, liest du im Beitrag Braucht es die Bleischürze noch?
Quellen
- Ludlow et al.: Effective dose of dental CBCT — a meta analysis (2015)
- Übersicht dentaler Dosen 2010–2020 (2021)
- BAG: Strahlenschutzausbildung für Zahnärztinnen und Zahnärzte
- S2k-Leitlinie Dentale digitale Volumentomographie (AWMF)