Rauchen: die unterschätzte Strahlenquelle

Wer an Strahlenbelastung denkt, denkt an Röntgenbilder, Kernkraftwerke oder Flugreisen — kaum jemand an die Zigarette. Dabei ist Tabakrauch für Raucherinnen und Raucher eine der grössten Strahlenquellen im Alltag überhaupt.
Wie kommt Radioaktivität in die Zigarette?
Tabakpflanzen nehmen aus Boden, Dünger und Luft die natürlichen radioaktiven Stoffe Polonium-210 und Blei-210 auf — Zerfallsprodukte des Radons, die sich an den klebrigen Härchen der Tabakblätter anlagern. Beim Rauchen gelangen sie mit dem Rauch tief in die Lunge und setzen sich bevorzugt an den Verzweigungen der Atemwege fest. Polonium-210 ist ein Alphastrahler: Seine Strahlung reicht nur Bruchteile eines Millimeters weit, gibt ihre Energie aber genau dort konzentriert ans Lungengewebe ab.
Wie viel Dosis bekommt die Lunge ab?
Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt eine eindrückliche Vergleichszahl: Wer anderthalb Packungen pro Tag raucht, setzt seine Lunge übers Jahr einer Strahlendosis aus, die etwa 300 Röntgenaufnahmen des Brustkorbs entspricht. Anders als beim Röntgen verteilt sich diese Dosis nicht über den Körper, sondern konzentriert sich Jahr für Jahr auf dieselben empfindlichen Stellen der Atemwege.
Die Strahlung ist dabei nur einer von vielen krebserregenden Faktoren im Tabakrauch — aber einer, der in der öffentlichen Wahrnehmung fast völlig fehlt. Fachleute gehen davon aus, dass Polonium-210 einen relevanten Anteil der tabakbedingten Lungenkrebsfälle mitverursacht.
Die doppelte Rechnung mit Radon
Besonders ungünstig ist die Kombination aus Rauchen und Radon in der Wohnung: Beide Risiken verstärken sich gegenseitig, weil radonbelastete Atemluft und Tabakrauch dieselben Gewebe treffen. Studien zeigen für Raucher in Radon-belasteten Häusern ein um ein Vielfaches höheres Lungenkrebsrisiko als für Nichtraucher. Wer raucht und in einem Radon-Risikogebiet wohnt, hat also gleich zwei gute Gründe für eine Radonmessung — und einen mehr für den Rauchstopp.
Fazit
Die grösste vermeidbare Strahlenquelle im Alltag steckt für Raucher in der eigenen Hosentasche. Kein Verzicht auf Paranüsse, Flüge oder Röntgenbilder bringt auch nur annähernd so viel Dosisersparnis wie ein Rauchstopp.